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Fortschritt, Resonanz und Klimakrise....

Vertiefung für die anstehende Metarmophose

Fortschritt, Resonanz und Klimakrise

„Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung“ – so der sinnige und weithin bekannte Satz von Hartmut Rosa. Resonanz als inneres Beziehungsgeschehen erfährt weithin Aufmerksamkeit, aus diesem Leitsatz lassen sich viele Impulse zur Neuorientierung von Therapie, Pädagogik, Politik und Gesellschaftsentwicklung ableiten.

Und Fortschritt? Wie steht Fortschritt im Verhältnis zur Resonanz? Fortschritt verstanden als ein gesellschaftliches Konstrukt, das eine permanent gesteigerte Welterreichbarkeit (Rosa) suggeriert und den Handlungsraum (z.B. über das Internet) sowie den Schutzraum (z.B. über Impfungen...) der Teilhaber dieser gesellschaftlichen Errungenschaften vergrößert? Noch mal nachgefragt: Ist Fortschritt nicht auch das Produkt unzähliger Resonanzerlebnisse? Wie sonst würde sich ein neuer Stand der Technik und ein neues Normal entwickeln, würde es nicht durch das positive Konsumenten- und Investitionsverhalten gestützt. Marktwirtschaftliche Akzeptanz – ein Indikator massenhafter Resonanzerlebnisse?

Wo aber endet der Fortschritt? Ist Fortschritt grenzenlos möglich? Makroskopisch ist die Grenze der planetaren Regenerationsfähigkeit (vgl. die doughnut economics von Kate Raworth) heute die anerkannte Antwort auf diese Frage. Schreiten wir in Summe ungebremst so fort – fallen wir gemeinsam über die Klippe der globalen Kipp-Punkte.

Fortschritt - verstanden als global wahrnehmbares Feld von Forschung, Wissenschaft und Technik - hat also durchaus ein Sensorium, die Grenzen des Wachstums zu entdecken: Die Stimmen der Beobachter und Mahner werden lauter, die Beweise täglich deutlicher. Da können wir ebenfalls ein Resonanzphänomen erkennen: Die Aufmerksamkeit für die globalen Probleme dürfte endlich mit dem Ausmaß der Probleme Schritt halten – die Hoffnung auf Veränderung wächst.

Aber schlummert da nicht auch eine Falle: Die Nachhaltigkeitsdiskussion fokussiert sich auf die materiellen Ressourcen. Wie schon beim Thema Resilienz von Mensch und Organisation – braucht es den Blick für die immateriellen Ressourcen, die uns kräftig und lebendig machen, und die uns Mut geben, mit unvorhersehbaren Belastungen umzugehen.

Und auch hier zeigt sich: Die Veränderungen, die Transformationen hin zu nachhaltigen Gesellschaften, sind nur dann attraktiv für die Einzelnen, die Kommunen, die Landkreise usw., wenn sie auch die immateriellen Ressourcen aller Beteiligten mehren. Gemeinsinn läßt sich nicht verordnen, er entsteht durch Kooperation, durch die Mehrung von Anerkennung und Zugehörigkeit. Gesetze und Steuern können dabei zwar unterstützen – die Kraft, die Motivation aber entsteht in kleinen positiven Erfahrungen, dass etwas Neues entsteht, wenn wir uns auf das jeweils Wesentliche für uns fokussieren – und uns einbringen können. Dann steht nicht Verzicht im Fokus, sondern die Mehrung der Lebensfreude.

Vielleicht machen wir ja gerade die Erfahrung, dass die Digitalisierung tatsächlich auch einen Beitrag zum regenerationsfähigen Leben leisten kann. Waren wir bislang für gelingende Kooperation daran gewöhnt, uns physisch zu treffen und weite Strecken zurückzulegen, so kann nun Gemeinsinn auch in virtuellen Treffen entstehen. Sogar Aufstellungsarbeiten – deren Wirksamkeit wohl unbestritten auf dem Resonanzprinzip beruhen - lassen sich in diesen neuen Räumen erfolgreich praktizieren. Was nun sicher nicht heißen soll, dass wir uns nur noch in virtuellen räumen treffen sollten…!

Eine neue Spur wird sichtbar: Gemeinsinn mehren über Vernetzung und Kooperation Gleich-Gesinnter, die der Lebensfreude folgen – und ihre immateriellen Ressourcen stärken.

 

Über Ihr Feedback freue ich mich - gerne per mail an m.heim@nature-and-progress.de

Flyer - Zeitenwandel - Wandelzeit

Flyer Zeitenwandel 2020 für Alle.pdf (1,7 MiB)

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